Branding · Icons
Icondesign & Piktogramme — wenn Logos nicht mehr genügen
Ein Logo ist der eine Hauptanker einer Marke und damit Kern jedes Branding-Projekts. Sobald aber Funktionen, Produktkategorien oder Themen visualisiert werden müssen — auf einer Website, in Software, in Anleitungen — genügen Logos allein nicht mehr. Dann beginnt das eigentliche Icon-System: kleine, präzise Bildzeichen, die zusammen so deutlich „nach Marke" aussehen wie das Logo selbst. Wann sich Icondesign aus Dresden und Radebeul lohnt, wie es entsteht — und warum Stock-Icons keine Lösung sind: aus 15 Jahren Praxis im Piktogramm- und Icon-Design.
Die meisten Marken bemerken zu spät, dass ihr Auftritt visuell von Stock-Icons dominiert wird, die sie selbst nicht designt haben. Das ist wie ein gemietetes Wohnzimmer: technisch funktional, aber nichts davon erzählt, wer hier eigentlich wohnt. Beispiel aus dem eigenen Portfolio: das Iconset für die EEZY-TOOL-Software entstand als geschlossenes 24-Icon-System auf Basis eines klaren Stilrasters — bis heute mit demselben Raster auf neue Funktionen erweiterbar.
Wann eine Marke ein eigenes Icon-System braucht
Drei Anhaltspunkte — wenn zwei davon zutreffen, lohnt sich ein eigenes System:
- Auf der Website tauchen mehr als 5 Icons in unterschiedlichen Stilen auf (weil sie aus verschiedenen Stock-Quellen stammen).
- Es gibt wiederkehrende Themen oder Produktkategorien, die immer wieder visualisiert werden müssen.
- Die Marke hat eine eigenständige Bildsprache (Logo, Farben, Typografie) — und die Icons brechen damit.
Was du dann brauchst, ist kein Set aus 80 Icons „auf Vorrat" — sondern ein Stilraster: Linienstärke, Eckenradius, Anwendungsregeln. Damit kannst du selbst (oder im Bedarfsfall jemand anderes) auch in 3 Jahren noch konsistente Icons nachzeichnen.
Icon, Piktogramm, Symbol — was ist was?
Icon
Klein, funktional, ersetzt einen kurzen Begriff. Sucht-Lupe, Drucker, Teilen-Symbol. Sitzt in der UI, oft auf Buttons. Größe: 16–48 px. Wirksam, wenn er auf einen Blick verstanden wird.
Piktogramm
Erklärendes Bildzeichen, oft alleine stehend. Verkehrsschild, Wegeleitung, Anleitungs-Schritt. Erzählt eine kleine Sequenz oder einen Vorgang. Größe: 32–200 px. Wirksam, wenn er ohne Worte verstanden wird.
Symbol
Konzeptuell, oft kulturell aufgeladen. Herz, Stern, Friedenstaube. Trägt Bedeutung über die direkte Form hinaus. Wird in Marken eher in der Kommunikation als in der UI eingesetzt.
Was alle drei verbindet: Sie funktionieren nur im System. Ein einzelnes Icon ist Dekoration — ein durchdachtes Set ist Markensprache.
Häufige Fragen zu Icondesign
Wann braucht eine Marke ein eigenes Icon-System?
Wann braucht eine Marke ein eigenes Icon-System?
Sobald an mehreren Stellen wiederkehrende Funktionen oder Themen visualisiert werden — Navigation, Produktkategorien, Service-Bereiche, Software-Buttons, Wegeleitsysteme. Ab diesem Punkt werden Stock-Icons zum Marken-Bruch, weil sie identisch bei dutzenden anderen Firmen auftauchen und eure visuelle Identität verwässern. Faustregel: weniger als fünf Bildzeichen, alle nur dekorativ → Stock reicht. Mehr als fünf, in tragender Funktion → eigenes System lohnt sich. Auf der Website oben rechts links genauer hinschauen, wenn dort schon drei verschiedene Stock-Stile nebeneinander sitzen, ist die Entscheidung längst überfällig. Mehr unter Piktogramme & Icon Design.
Was kostet ein Icon-Set?
Was kostet ein Icon-Set?
Ein konsistentes Einstiegs-Set aus 8–12 Icons in einem definierten Stilraster startet bei rund 1.200 € — der Aufwand steckt dabei zu zwei Dritteln im Stilraster (Linienstärke, Eckenradius, Konstruktionslogik), nicht in den Einzelicons. Genau deshalb wird jedes weitere Icon im selben Stil günstiger: rund 80–120 € pro Stück bei Erweiterungen. Komplexere Pictogram-Systeme — etwa für Software-UI mit 30–50 Bildzeichen oder Wegeleitsysteme mit zusätzlichen Größen-Vorgaben — bewegen sich entsprechend höher und entstehen oft in Etappen über mehrere Monate. Die Lieferform ist immer SVG plus PNG-Sets in Standardgrößen, dazu eine kurze Stilraster-Doku, damit sich das System auch in ein, zwei Jahren erweitern lässt.
Unterschied zwischen Icon und Piktogramm?
Unterschied zwischen Icon und Piktogramm?
Icons sind klein, funktional und sitzen meist in der UI — sie ersetzen kurze Begriffe wie „Suchen", „Drucken" oder „Teilen", erscheinen oft auf Buttons oder Toolbars und sind im Bereich von 16 bis 48 Pixel optimiert. Piktogramme dagegen sind erklärend und stehen häufig alleine — sie bilden ganze Konzepte oder Vorgänge ab (Wegeleitsystem im Krankenhaus, Schrittabbildung in einer Anleitung, Symbol auf einem Verkehrsschild). Sie sind größer (32–200 px), formal stärker reduziert auf das Wesentliche und müssen ohne Begleitwort verständlich sein. Der Übergang ist fließend: ein gut entworfenes Bildzeichen kann je nach Kontext beides sein — entscheidend ist, ob es Beifügung oder Hauptaussage ist.
Kann ich nicht einfach Stock-Icons nutzen?
Kann ich nicht einfach Stock-Icons nutzen?
Für Prototypen, interne Tools und schnelle Wireframes — uneingeschränkt ja. Für die öffentliche Marke nicht. Stock-Icons werden in zehntausenden Sites parallel verwendet, oft sogar in derselben Branche und derselben Region. Das Ergebnis: deine Marke erscheint im Unterbewusstsein als „eine von vielen", weil dieselben Bildzeichen in dutzend anderen Kontexten parallel auftreten. Eigene Icons sind das Detail, an dem Marken auch nach Jahren wiedererkannt werden — wie eine eigene Hausschrift, nur in Bildform. Der Aufwand ist überschaubar (Einstieg ab 1.200 €), der Marken-Hebel deutlich höher als die meisten denken.
Über den Autor
Dirk Rietschel — Kommunikationsdesigner Radebeul / Dresden, seit 2011 selbstständig. Ich entwickle Iconsysteme als Teil von Markenwelten — mit dem Ziel, dass auch in fünf Jahren noch jedes neue Icon konsistent zum Bestand passt.