Webdesign · Strategie
WordPress, Contao, TYPO3 oder Eigen-System?
Irgendwann fällt in jedem Website-Projekt der Satz: „Machen wir das in WordPress?" Meist fällt er zu früh — und oft von der falschen Seite. Denn das System ist nicht der Anfang eines Projekts, sondern eine Folge daraus. Wer zuerst die Technik festlegt und danach überlegt, was die Seite eigentlich leisten soll, baut das Haus um den Werkzeugkasten herum.
Dieser Beitrag ordnet die vier Wege ein, die mir in Projekten begegnen — WordPress, Contao, TYPO3 und das schlanke Eigen-System — und sagt, wann sich welcher lohnt. Ohne Lagerdenken: Ich verdiene an keinem System mehr als am anderen.
Die Systemfrage kommt fast immer zu früh
Bevor ein System überhaupt zur Debatte steht, sind vier Fragen zu klären: Wer pflegt die Inhalte? Wie oft ändern sie sich? Wie viele Menschen arbeiten daran — und braucht es Freigaben? Und was muss die Seite technisch können, das über Text und Bild hinausgeht? Aus den Antworten ergibt sich das System fast von selbst. Wird umgekehrt vorgegangen, entscheidet meist die Gewohnheit des Anbieters: Wer nur WordPress baut, empfiehlt WordPress. Damit ist die Systemwahl weniger eine Frage der Technik als ein Stück Strategie — sie legt fest, wie Sie die nächsten Jahre mit Ihrer Website arbeiten.
Die zweite Verwechslung betrifft das Design. Kein System bringt eine gute Website mit — es verwaltet nur Inhalte. Ob eine Seite verständlich ist, ob sie zur Marke passt und ob sie Anfragen erzeugt, entscheidet sich davor. Die Frage „Baukasten oder Profi?" ist übrigens eine ganz andere als die hier behandelte; sie steht im Beitrag Website mit KI erstellen — oder vom Designer?. Hier gehe ich davon aus, dass diese Entscheidung gefallen ist.
WordPress — der Standard mit dem größten Ökosystem
WordPress ist das am weitesten verbreitete System, und das ist sein größter Vorteil: Es gibt für fast alles eine Erweiterung, Redakteure kennen die Oberfläche oft schon, und man ist nie auf einen einzigen Dienstleister angewiesen. Für Unternehmenswebsites, die regelmäßig gepflegt werden — neue Referenzen, Beiträge, Stellenanzeigen —, ist es eine solide, unaufgeregte Wahl.
Der Preis dafür ist Wartung. Ein WordPress lebt von Erweiterungen, und jede davon will aktuell gehalten werden. Wer Updates schleifen lässt, handelt sich Sicherheitslücken ein — die meisten gehackten Websites, die ich sehe, sind ungepflegte WordPress-Installationen. Zweitens verleitet der Baukasten-Charakter dazu, die Gestaltung dem Theme zu überlassen. Dann sieht die Seite aus wie tausend andere. WordPress ist ein gutes Fundament, aber es ersetzt kein Screendesign.
Contao — wenn Struktur und Ordnung zählen
Contao kommt aus Deutschland und merkt man ihm an: Es denkt in Struktur. Seitenbaum, Rechte und Zugriffe sind von Haus aus sauber geregelt, Barrierefreiheit war früh ein Thema, und die Datenschutz-Fragen, die bei internationalen Systemen regelmäßig aufkommen, stellen sich hier seltener. Wer mehrere Redakteure hat, die jeweils nur einen Bereich pflegen dürfen, bekommt das ohne Zusatzmodule.
Contao ist dafür weniger verbreitet. Das heißt: kleineres Angebot an Erweiterungen, weniger Agenturen, die es beherrschen — und die Frage, wer die Seite in fünf Jahren betreut, will vorher beantwortet sein. Für Betriebe mit klarer Struktur und überschaubarem Änderungsbedarf ist es trotzdem oft die ruhigere Wahl als WordPress: weniger Bewegung im Unterbau, weniger Update-Rauschen.
TYPO3 — wenn viele Beteiligte zusammenkommen
TYPO3 spielt seine Stärken dort aus, wo es groß und vielschichtig wird: Organisationen mit mehreren Bereichen, Redaktionsteams mit abgestuften Rechten, mehrsprachige Auftritte, mehrere Websites unter einem Dach. Behörden, Bildungsträger und größere Unternehmen setzen es genau deshalb ein. Für eine Handvoll Seiten ist es überdimensioniert — wie ein Lastwagen für den Wocheneinkauf.
Bemerkenswert ist noch etwas: Bei TYPO3 ist das System oft gar nicht Ihre Entscheidung. In größeren Häusern steht es fest, weil die IT es betreut oder der Träger es vorgibt. Dann ist die Aufgabe nicht mehr die Systemwahl, sondern gutes Design innerhalb gesetzter Grenzen. Genau so lief das Projekt für das Berufsbildungswerk. Und hier gehört die ehrliche Abgrenzung dazu: Bei großen TYPO3-Installationen liefere ich Screendesign und Nutzerführung, die technische Einrichtung übernimmt die IT vor Ort.
Eigen-System — wenn Tempo und Kontrolle zählen
Der vierte Weg wird selten angeboten, weil er sich schlecht standardisieren lässt: eine schlanke, selbst gebaute Lösung ohne Redaktionssystem. Sie lohnt sich, wenn eine Website im Kern stabil bleibt und Änderungen ohnehin über den Gestalter laufen. Dann fällt alles weg, was ein CMS mitbringt — Datenbank, Erweiterungen, Update-Zyklen, Angriffsfläche — und übrig bleibt eine Seite, die schnell ist und wenig kaputtgehen kann.
Wie schnell, kann ich an dieser Website zeigen: Sie läuft ohne CMS, auf schlanken PHP-Bausteinen. Google bewertet sie in allen vier Kategorien mit 100 von 100 Punkten, der größte Inhalt steht nach 1,3 Sekunden, und das Layout springt beim Laden nicht — Werte, die mit einem Standard-Theme voller Erweiterungen kaum zu halten sind. Entwickelt habe ich sie KI-gestützt, was diesen Weg heute für kleinere Budgets überhaupt erst wirtschaftlich macht; über die Rolle von KI im Entstehungsprozess schreibe ich an anderer Stelle mehr.
Der Haken ist ebenso klar: Ohne CMS pflegen Sie nichts selbst. Wer wöchentlich Inhalte einstellen will, ist hier falsch. Und Sie binden sich enger an Ihren Dienstleister — deshalb gehören sauberer, dokumentierter Code und der jederzeitige Zugriff auf alle Dateien zur Vereinbarung.
Wie ich in Projekten entscheide
Meine Faustregel ist unspektakulär: Wer regelmäßig selbst pflegt, bekommt ein CMS — WordPress, wenn Erweiterbarkeit zählt, Contao, wenn Struktur und Rechte zählen. Wer selten ändert, bekommt ein Eigen-System und spart sich die Wartung. Wo viele Beteiligte und Bereiche zusammenkommen, ist TYPO3 gesetzt — meist ohnehin durch die IT. Und wenn ein Shop dazukommt, ist die Systemfrage eine andere, weil dort Shopware und Co. eigene Regeln mitbringen.
Wichtiger als die Wahl selbst ist, dass sie begründet ist und Sie sie verstehen. Ein Systemwechsel später ist möglich, aber immer ein Relaunch — worauf dabei zu achten ist, damit die Sichtbarkeit nicht leidet, steht im Beitrag Website-Relaunch ohne Rankingverlust. Wie ich Projekte vom Erstgespräch bis zur fertigen Seite aufsetze, können Sie auf meiner Seite zum Webdesign in Dresden nachlesen.
Häufige Fragen zur Systemwahl
Welches System ist das beste für eine Unternehmenswebsite?
Welches System ist das beste für eine Unternehmenswebsite?
Entscheidend sind vier Fragen: Wer pflegt die Inhalte, wie oft ändern sie sich, wie viele Menschen arbeiten daran, und was muss die Seite technisch können. Wer einmal im Quartal eine Referenz ergänzt, braucht ein anderes System als eine Organisation mit Redaktionsteam und Freigabeprozess. Wird die Systemfrage vor diesen vier Fragen geklärt, entscheidet meist die Gewohnheit des Anbieters — nicht Ihr Bedarf.
Brauche ich überhaupt ein Content-Management-System?
Brauche ich überhaupt ein Content-Management-System?
Bei einer Website, die im Kern stabil bleibt und ein- bis zweimal im Jahr eine Ergänzung bekommt, ist ein CMS oft Ballast: mehr Technik, mehr Updates, mehr Angriffsfläche — für eine Bequemlichkeit, die kaum genutzt wird. Dann ist ein schlankes Eigen-System die schnellere und wartungsärmere Lösung, und Änderungen laufen einfach über mich.
Kann ich später vom einen System auf ein anderes wechseln?
Kann ich später vom einen System auf ein anderes wechseln?
Inhalte, URLs und Struktur wandern mit. Technisch ist das Routine, riskant ist die Sichtbarkeit: Wer dabei URLs ändert, ohne sie umzuleiten, verliert Rankings, die über Jahre gewachsen sind. Deshalb gehört zu jedem Wechsel eine Bestandsaufnahme der bestehenden URLs und ein sauberes Weiterleitungskonzept. Wer das einplant, wechselt ohne Verluste.
Übernehmen Sie auch die technische Umsetzung — oder nur das Design?
Übernehmen Sie auch die technische Umsetzung — oder nur das Design?
Klassische Unternehmenswebsites in WordPress, Contao oder als leichtes Eigen-System setze ich vollständig um — von der Gestaltung bis zur fertigen Seite. Bei großen TYPO3-Installationen und bei Onlineshops liefere ich das Screendesign und die Nutzerführung; die technische Einrichtung übernimmt dann Ihre IT oder Ihre Entwicklung. Was ich in einem Projekt mache und was nicht, gehört ins Angebot — nicht in die Rechnung.






